Familienbericht 2011
Laut Familienreport 2011 ist die Geburtenrate im
Jahr 2010 leicht angestiegen und betrug 1,39 Kinder
je Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Zudem
wurden 2010 mehr Geschwisterkinder geboren als im
Jahr 2009.
Auch wünschten sich die
Deutschen 2010 mehr Kinder als in den Jahren zuvor.
Die „ideale Kinderzahl“ liegt derzeit bei 2,2
Kindern.
Und: Immer mehr Väter beziehen
Elterngeld und bringen sich mit den sogenannten
Vätermonaten in die Elternzeit ein (25,4%). Auch
dadurch bedingt steigt die Zahl der berufstätigen
Mütter kontinuierlich an. Die Zahl der
erwerbstätigen Mütter ist bei Paaren, bei denen die
Väter ebenfalls Elterngeld beziehen, um fast 20%
höher. Das ist gut für die Ehe – die
Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe geschieden wird,
ist um 30% geringer, wenn beim ersten Kind auch
Vätermonate genommen werden ( laut einer
schwedischen Studie).
Ebenfalls gut zu wissen, dass
etwa 80% aller Kinder in Deutschland mit beiden
Elternteilen zusammen leben und folglich fast jedes
fünfte Kind von einer alleinerziehenden Mutter oder
einem alleinerziehenden Vater großgezogen wird.
Doch bei allem vorsichtigen
Optimismus, muss auch beachtet werden, dass
Deutschland der Entwicklung im internationalen
Vergleich in vielen Dingen hinterherhinkt.
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Nur rund ¼ aller unter
Dreijährigen wird in einer Kindertageseinrichtung
betreut – wobei in den neuen Bundesländern 49% ihre
Kinder betreuen lassen und in den alten
Bundesländern die Quote lediglich bei 20% liegt. Es
bleibt abzuwarten, ob sich an der geringen Quote
durch die geplante Einführung des Anspruchs auf
einen Betreuungsplatz ab 08/2013 für Kinder ab 1
Jahr etwas ändert. Immerhin: Das Betreuungsgeld wird
im gesamten Familienreport 2011 nicht erwähnt.
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Nur 55% der erwerbsfähigen Frauen
geht einer Vollzeitbeschäftigung nach. Hier belegt
Deutschland den vorletzten Platz im EU-15 Vergleich.
Bemerkenswert: Etwa 60% der deutschen Männer würden
gerne weniger und 34% der Frauen in
Teilzeit-Beschäftigungen würden gerne mehr arbeiten.
Für Kinder eine Wunschvorstellung – sie wünschen
sich mehr Zeit mit ihren Vätern und finden es gut,
wenn auch die Mütter arbeiten gehen.
Ein großer Kritikpunkt ist die
Auseinandersetzung mit den alleinerziehenden Müttern
und Vätern. Hier bewegt sich der Familienreport nur
im Rahmen von Statistiken und Verallgemeinerungen,
wie bspw. – „(… )ihr hohes Maß an Eigenständigkeit
erfüllt viele alleinerziehende Mütter mit Zuversicht
und Zukunftsoptimismus“. Dass besonders viele
alleinerziehende Mütter Bezieherinnen des ALG II
sind und aufgrund mangelnder Betreuungsplätze für
ihre Kinder oft keine Möglichkeit haben, in den
Beruf zurückzukehren, bleibt unerwähnt. Die
Information dass 54% aller nicht erwerbstätigen
Alleinerziehenden gerne wieder arbeiten würden, geht
fast verloren. Dass Kinder von Alleinerziehenden ein
hohes Armutsrisiko haben, wird zwar dargestellt,
jedoch damit relativiert, dass die Armut meist einen
vorübergehenden Charakter hätte, da die Kinder zu
einem späteren Zeitpunkt wieder in einem
Paarhaushalt leben.
Aber auch in Familien mit mehr
als zwei Kindern ist die Armutsquote nach wie vor
alarmierend hoch. Zwar ist die Quote (derzeit 18%)
nicht gestiegen, aber und das ist die eigentliche
Nachricht: Sie ist auch nicht gesunken. Und
gleichzeitig ist zu beachten, dass die
Armutsrisikoquote der unter 18-Jährigen im Jahr 2010
angestiegen ist.
Keine Überraschungen stellen
die Ergebnisse der Zahlenauswertung dar, dass mehr
Kinder aus einkommensstarken Familien eine
Kinderbetreuung besuchen und individuell gefördert
werden als Kinder aus einkommensschwachen
Verhältnissen. Ob das Bildungspaket daran etwas
geändert hat, werden wir wohl erst im nächsten
Familienreport erfahren.
Ähnliches gilt für die
Situation Berufstätiger, die einen Angehörigen
pflegen. Ob das Pflegezeitgesetz den derzeitigen
Zustand wirklich verbessert, kann erst in ein paar
Monaten beurteilt werden. Fakt ist, dass laut
Familienbericht etwa 35% der Unternehmen ihren
Mitarbeitern größere zeitliche Freiräume
ermöglichen, als es das Gesetz vorsieht und jedes
elfte Unternehmen finanzielle Angebote zur
Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege oder eines
Pflegedienstes macht. Dies geschieht bislang aber
nur auf freiwilliger Basis. Jeder Arbeitnehmer
sollte in Zukunft das Recht haben, sich um seine
pflegebedürftigen Angehörigen kümmern zu können und
gleichzeitig seinen Beruf ausüben.
Der Familienreport 2011 zeigt,
was sich in Deutschland in den letzten Jahren
verbessert und was sich verschlechtert hat oder wo
die Familienpolitik auf der Stelle tritt. Beim Lesen
sollte aber stets daran gedacht werden, dass der
Report aus der Feder des Familienministeriums
stammt. Positiv ist, dass das Thema Familie in der
Gesellschaft angekommen ist und die jungen Eltern
sich neben finanzieller Absicherung und guten
Betreuungsmöglichkeiten auch Zeit für ihre Kinder
wünschen. Die Familienministerin hat angekündigt,
sich auch um mehr Lebensqualität für Familien
einsetzen zu wollen. Die Ergebnisse dieser Bemühung
werden sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen oder
eben nicht.
Den Download zum
Familienreport 2011 finden Sie unter folgender
Adresse:
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