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Letzte Änderung 02.02.2012

     
     
 

Familienbericht 2011

Laut Familienreport 2011 ist die Geburtenrate im Jahr 2010 leicht angestiegen und betrug 1,39 Kinder je Frau im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Zudem wurden 2010 mehr Geschwisterkinder geboren als im Jahr 2009.

Auch wünschten sich die Deutschen 2010 mehr Kinder als in den Jahren zuvor. Die „ideale Kinderzahl“ liegt derzeit bei 2,2 Kindern.

Und: Immer mehr Väter beziehen Elterngeld und bringen sich mit den sogenannten Vätermonaten in die Elternzeit ein (25,4%). Auch dadurch bedingt steigt die Zahl der berufstätigen Mütter kontinuierlich an. Die Zahl der erwerbstätigen Mütter ist bei Paaren, bei denen die Väter ebenfalls Elterngeld beziehen, um fast 20% höher. Das ist gut für die Ehe – die Wahrscheinlichkeit, dass die Ehe geschieden wird, ist um 30% geringer, wenn beim ersten Kind auch Vätermonate genommen werden ( laut einer schwedischen Studie).

Ebenfalls gut zu wissen, dass etwa 80% aller Kinder in Deutschland mit beiden Elternteilen zusammen leben und folglich fast jedes fünfte Kind von einer alleinerziehenden Mutter oder einem alleinerziehenden Vater großgezogen wird.

Doch bei allem vorsichtigen Optimismus, muss auch beachtet werden, dass Deutschland der Entwicklung im internationalen Vergleich in vielen Dingen hinterherhinkt.

- Nur rund ¼ aller unter Dreijährigen wird in einer Kindertageseinrichtung betreut – wobei in den neuen Bundesländern 49% ihre Kinder betreuen lassen und in den alten Bundesländern die Quote lediglich bei 20% liegt. Es bleibt abzuwarten, ob sich an der geringen Quote durch die geplante Einführung des Anspruchs auf einen Betreuungsplatz ab 08/2013 für Kinder ab 1 Jahr etwas ändert. Immerhin: Das Betreuungsgeld wird im gesamten Familienreport 2011 nicht erwähnt.

- Nur 55% der erwerbsfähigen Frauen geht einer Vollzeitbeschäftigung nach. Hier belegt Deutschland den vorletzten Platz im EU-15 Vergleich. Bemerkenswert: Etwa 60% der deutschen Männer würden gerne weniger und 34% der Frauen in Teilzeit-Beschäftigungen würden gerne mehr arbeiten. Für Kinder eine Wunschvorstellung – sie wünschen sich mehr Zeit mit ihren Vätern und finden es gut, wenn auch die Mütter arbeiten gehen.

Ein großer Kritikpunkt ist die Auseinandersetzung mit den alleinerziehenden Müttern und Vätern. Hier bewegt sich der Familienreport nur im Rahmen von Statistiken und Verallgemeinerungen, wie bspw. – „(… )ihr hohes Maß an Eigenständigkeit erfüllt viele alleinerziehende Mütter mit Zuversicht und Zukunftsoptimismus“. Dass besonders viele alleinerziehende Mütter Bezieherinnen des ALG II sind und aufgrund mangelnder Betreuungsplätze für ihre Kinder oft keine Möglichkeit haben, in den Beruf zurückzukehren, bleibt unerwähnt. Die Information dass 54% aller nicht erwerbstätigen Alleinerziehenden gerne wieder arbeiten würden, geht fast verloren. Dass Kinder von Alleinerziehenden ein hohes Armutsrisiko haben, wird zwar dargestellt, jedoch damit relativiert, dass die Armut meist einen vorübergehenden Charakter hätte, da die Kinder zu einem späteren Zeitpunkt wieder in einem Paarhaushalt leben.

Aber auch in Familien mit mehr als zwei Kindern ist die Armutsquote nach wie vor alarmierend hoch. Zwar ist die Quote (derzeit 18%) nicht gestiegen, aber und das ist die eigentliche Nachricht: Sie ist auch nicht gesunken. Und gleichzeitig ist zu beachten, dass die Armutsrisikoquote der unter 18-Jährigen im Jahr 2010 angestiegen ist.

Keine Überraschungen stellen die Ergebnisse der Zahlenauswertung dar, dass mehr Kinder aus einkommensstarken Familien eine Kinderbetreuung besuchen und individuell gefördert werden als Kinder aus einkommensschwachen Verhältnissen. Ob das Bildungspaket daran etwas geändert hat, werden wir wohl erst im nächsten Familienreport erfahren.

Ähnliches gilt für die Situation Berufstätiger, die einen Angehörigen pflegen. Ob das Pflegezeitgesetz den derzeitigen Zustand wirklich verbessert, kann erst in ein paar Monaten beurteilt werden. Fakt ist, dass laut Familienbericht etwa 35% der Unternehmen ihren Mitarbeitern größere zeitliche Freiräume ermöglichen, als es das Gesetz vorsieht und jedes elfte Unternehmen finanzielle Angebote zur Inanspruchnahme von Kurzzeitpflege oder eines Pflegedienstes macht. Dies geschieht bislang aber nur auf freiwilliger Basis. Jeder Arbeitnehmer sollte in Zukunft das Recht haben, sich um seine pflegebedürftigen Angehörigen kümmern zu können und gleichzeitig seinen Beruf ausüben.

Der Familienreport 2011 zeigt, was sich in Deutschland in den letzten Jahren verbessert und was sich verschlechtert hat oder wo die Familienpolitik auf der Stelle tritt. Beim Lesen sollte aber stets daran gedacht werden, dass der Report aus der Feder des Familienministeriums stammt. Positiv ist, dass das Thema Familie in der Gesellschaft angekommen ist und die jungen Eltern sich neben finanzieller Absicherung und guten Betreuungsmöglichkeiten auch Zeit für ihre Kinder wünschen. Die Familienministerin hat angekündigt, sich auch um mehr Lebensqualität für Familien einsetzen zu wollen. Die Ergebnisse dieser Bemühung werden sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen oder eben nicht.

Den Download zum Familienreport 2011 finden Sie unter folgender Adresse:

Für weitere Informationen klicken Sie bitte hier